A trip to downunder - part#2

Der 42. südliche Breitengrad

Wir befinden uns immer noch in Tasmanien. Genauer gesagt in Strahan.

Wir buchen eine Bootsfahrt - Cruise nennt sich das hier - zur Hells Gate und zum Gordon River. Die Fahrt am Morgen ist bereits ausgebucht, also starten wir um 14h. Das gibt noch ein wenig Zeit zum Ausschlafen. Das Wetter zeigt sich nicht von der allerbesten Seite. Was soll's, wir nehmen's gelassen.
Hells Gate ist eine Meerenge zwischen Hafenbecken und Meer. Kaum ist das Boot auf offenem Meer, werden die Wellen um einiges höher. Also nichts wie weg zurück ins Hafenbecken zum Gordon River. Entlang des Flusses säumt sich ein tropischer Tieflandregenwald. Er gehört zum Weltkulturerbe und ist geschützt. Diese Art von Regenwald gibt es nur noch in Teilen von Südamerika und Neuseeland. Ein kurzer Walk führt durch einen kleinen Teil des Waldes und zeigt einige Spezialitäten. Es ist überwältigend und kaum zu beschreiben.
Nach 20m wüsste man schon nicht mehr, wo's zum Bootssteg geht - wäre da nicht der vorgegebene Track. Auf der Rückfahrt gibts ein kaltes Buffet. Begleitet wird dieses durch heftige Regenfälle und entsprechende Wellen. Der Katamaran meistert sie spielend. Doch die Amplitude ist um einiges grösser als auf der Hinfahrt. Vom Hafen bis zum Caravanpark sind es nur 15min. Wir kommen aber völlig durchnässt an. Zum Glück hält das Zelt dicht. Wir verbringen eine trockene, aber windige Nacht.

Der Morgen zeigt sich zwar mit etwas Sonne. Aber nicht lange. Um 10h giesst es bereits wieder wie aus Kübeln. So ist es halt, im Westen von Tasmanien und auf dem 42. südlichen Breitengrad. Die Montezuma Falls streichen wir angesichts des Wetters. - Mittlerweile gesellen sich zu den ergiebigen Regenfällen auch noch Hagelkörner. - Queenstown, die nächste Stadt, hat "nur" Minen zu bieten. Die Landschaft sieht katastrophal aus - wir ziehen weiter Richtung Hobart. Auf der Route liegende Tracks lassen wir unversehrt. Wir ziehen das Auto vor und fahren bis kurz vor Hobart. Angesichts des Wetters übernachten wir in einem Caravan. Der ist zwar teurer, aber wir haben es dann etwas wärmer und trockener. Die Temperatur ist nachts nun ca. 8 Grad Celsius. Entschieden zu kalt für unsere Ansprüche ;-)
Der Regen hat etwas nachgelassen, die Wolken haben sich verzogen. Nun vergleiche ich den Sternenhimmel mit der Computersimulation (VirtualSky). Standort ist HOBART. Jetzt bin ich mir sicher, dass wir "das Kreuz des Südens" sehen. Dies ist von der nördlichen Halbkugel nicht zu sehen. Dieses Sternbild säumt die Nationalflagge Australiens und befindet sich inmitten der wunderschönen magellanschen Wolke.

Der 43. südliche Breitengrad

Hobart ist eine Grossstadt, wie es viele gibt. Städte interessieren uns nicht allzu sehr. Sie dienen auf unserer Reise meist nur zum Lebensmitteleinkauf, da es hier wesentlich mehr Auswahl gibt als ausserhalb. Wir bewegen uns weiter südwärts. Das Wetter soll nun für ein paar Tage besser werden.
In dieser Gegend werden hauptsächlich Aepfel angepflanzt. Sie sind sehr schmackhaft und preiswert. Dies lassen wir uns natürlich nicht entgehen.
Eine Fähre bringt uns auf Bruny Island. In der Adventure Bay buchen wir eine Tent-Site. Die Sicht auf die Bay ist wunderbar. Die Tierwelt lässt auch nicht lange auf sich warten. Wellensittiche und Raben wechseln sich mit ihrem Gequietsche ab. Komischerweise hat es auf dem ganzen Caravanpark verstreut Kot. Was mag das wohl bedeuten? Klar, hier in der Nähe muss es Wallabies geben. Siehe da, kaum ist es dunkel geworden, machen sich die kleinen Springer hinter den grünen Rasen auf dem Park.

Heute sind wir auf dem südlichsten Punkt unserer Reise und unseres bisherigen Lebens angelangt. Es ist schon ganz eigenartig, so weit unten zu sein. So nahe an der Antarktis. Die ersten Anzeichen sind schon zu sehen: Pinguine, kalte Winde, Robben, Seelöwen und das "Australien Headquarter" der Antarktis.
Vorerst bleibt es nur beim Traum, einmal zur Antarktis zu fahren. Aber wer weiss, vielleicht wird es ja mal wahr...

Das GPS zeigt mir, dass wir uns im Moment ca. 16'900km (Luftlinie) von zu Hause weg befinden.

Port Arthur

Wem es jetzt nicht kalt den Rücken abläuft, der kennt die Vergangenheit von Van Diemen's Land NICHT. Van Diemen's Land (Tasmanien), so wurde die Insel um 1830 noch benannt, wurde nach dem bekannten holländischen Seefahrer getauft. Es waren aber die Engländer, welche das Land in Besitz nahmen und in Port Arthur eine Strafkolonie einrichteten. Wurden Personen aus dem United Kingdom straffällig, wurden sie nach Australien (Mainland) deportiert. Wurden sie da wieder straffällig, kamen sie lebenslänlich nach PORT ARTHUR. Heute erinnern nur noch Ruinen und Schriftstücke an diese Zeit.
Eine kleine Anmerkung zu den Straftaten: der Sträfling William Collins wurde straffällig, weil er ein Paar Schuhe mitgehen liess!

Heute wird das Ganze touristisch vermarktet.

Im Caravanpark gibt es einige Possums, die frei herumlaufen - sorry, nach Nahrung suchen. Solche haben wir bisher noch nie gesehen. Wie lässt sich aber so ein Tier in der Nacht photographieren und erst noch aus der Nähe? Nun, die Lösung finde ich bald. Entsprechende Photoausrüstung mit Blitz und eine grosse Taschenlampe. Mit dieser blende ich auf das Tier, gehe so nah wie möglich und drücke dann ab. Es klappt nicht schlecht. Erstaunlicherweise bleiben die Tiere im Lichtkegel stehen und warten darauf, was passiert. Hier geht das ganz gut - auf der Strasse weniger. Das sieht man jeden Tag aufs neue in Downunder...

Ein weiteres Novum finden wir im Tasmanian Devil Park Center - den Tasmanian Devil. Er ist ein ganz spezielles Tier. Er frisst nur tote Tiere wie Känguruhs, Wombats und Possums. Also ein richtiger Strassenfeger. Darum ist es warscheinlich das Nationaltier Tasmaniens. Optisch ist er zumindest furchteinflössend. Ganz speziell, wenn er sein Maul aufreisst. Spätestens dann weiss man, warum er mit dem Teufel verglichen wird.

Downunder - alles verkehrt?

JA, fast alles.
In den mehereren Wochen, die wir bisher in Downunder verbringen konnten, ist mir so einiges aufgefallen:
  • ...es liegt auf der südlichen Halbkugel
  • ...das Wasser im Siphon läuft im Uhrzeigersinn ab
  • ...man (auch frau) fährt mit dem Auto auf der linken Seite
  • ...man läuft auf der linken Seite beim Kreuzen (Weg, Track...)
  • ...wenn hier Tag ist, ist's in Europa Nacht
  • ...lässt sich aus dem Mond ein Z schreiben, ist er ab- und nicht zunehmend
  • ...wenn in Europa Winter ist, ist es hier Sommer (zur Zeit ist es aber Herbst ;-) )
  • ...wenn an der Ampel rot ist, darf man links abbiegen (anytime with care...)
  • ...wenn man im Outback mit der Hand von links nach recht winkt, grüsst man nicht. Man verscheucht die Fliegen!
  • ...an Stelle des Sternbildes des Wagens sieht man hier das "Kreuz des Südens"


Hier ist vieles umgekehrt und anders, als auf der nördlichen Halbkugel. Aber leben lässt es sich hier allemal ;-)



W E R B U N G
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...unter der Website www.outbackaustralia.ch findest Du Bilder unserer Reisen nach Australien aus den vergangenen Jahren...

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Von Moskitos und andern Plaggeistern

Australien ist ein riesiges Land. Ein sehr grosser Teil ist nur sehr schwach besiedelt. Dies bietet vielen Tieren die Möglichkeit, sich schnell zu vermehren, ohne dass jemand dagegen etwas unternehmen kann. So kann es sein, dass sich an einem Ort 100 und mehr Fliegen aufhalten. Begibt man sich in ein solches Gebiet, schwirren einem diese Flugobjekte um den Kopf. Es macht ihnen auch nichts aus, sich gleich ins Ohr oder in den Mund zu begeben. Die Fliegen sind recht langsam und man schafft es locker, 10 auf einen Streich zu fangen.
Ein Grund, warum es im Outback so viele Fliegen gibt, sind die fehlenden natürlichen Feinde. Auch können sie sich im Mist der Tausenden von Rindern gut ernähren. Einen Mistkäfer - wie wir ihn kennen - gibt es hier nicht. Der Mensch wehrt sich gegen die Fliegen meist mit einem entsprechenden Netz. Doch das ist nichts für hartgesottene Outbackfreaks. Also lässt man den Schutz und begnügt sich ab und zu mit dem lässigen Outback-Gruss.

Es gibt hier aber auch noch andere Fliegen: die Sandflies. Die sind von einem andern Kaliber und stechen.

Die mit am meisten ärgerlichen Dinger abends sind aber die Moskitos. Sie beginnen ihr Leidwerk vor Einbruch der Dunkelheit und lassen erst bei Tageslicht von ihrem Handwerk ab. Das Resultat sieht dann am nächsten Tag wie ein Mückenstich aus, nur eben einiges grösser. Moskitos sind im allgemeinen in den Tropen und Subtropen heimisch. Wir haben auch schon einige Stiche abbekommen. Schutz bietet Kleidung (nicht zu dünn), Rauch, Klimaanlage, Luft und Aerogard oder Rid. Die beiden am Schluss genannten Produkte sind australisch und mit entsprechenden Giften versehen. Zum Glück weiss ich nicht, wie giftig die sind...

Strände bis zum Abwinken...

Australien besitzt eine Länge von über 10'000km Strand. Meist sind diese mit dem für uns sagenumworbenen weissen Sand ausgestattet. Ein weiteres Plus für die Strände ist: sie sind meist menschenleer! In vielen Gebieten scheint auch sehr oft die Sonne. Dies sind alles Argumente, wie wir sie uns am Meer wünschen.

Das ganze hat aber so einige Zacken, die einem das Baden im Meer so richtig vermiesen. Das Ozonloch über Australien ist sehr gross und lässt einen ohne entsprechende Massnahmen nicht am Strand herumlaufen. Ein weiterer Feind des Menschen ist der Boxjelly-Fish. Eine Berührung dieser Quallenart reicht bei einem Kind für den sichern Tod und kann dies auch bei Erwachsenen erreichen. Weitaus bekannter und gefürchteter sind aber die Krokodile. Genauer gesagt: die Salzwasser-Krokodile. Beide dieser Spezien sind nur in den nördlichen Gebieten Australiens zu finden. Denkt sich also der Kluge: gehn wir halt in den Süden baden! Doch auch da sieht es kaum besser aus. Haie lassen sich sehr oft in allen Gebieten blicken. Zwar kommen sie "nur" wenn's warm ist. Aber wer will sich schon in kaltes Nass stürzen! Ein kleiner Trost, um doch noch eine nasse Abkühlung zu erhalten, sind die den Städten nahe gelegenen Strände. Die sind oft mit entsprechenden Netzen und Haiwarnsystemen ausgerüstet. Trotzdem, die Städte kennen keine Kläranlagen und lassen ihre Gülle meist direkt ins Hafenbecken. Dieses Wasser kommt dann recht schnell bis zu den stadtnahen Stränden. Aber davon will man hier nicht allzuviel wissen.

Beachtet man all diese Punkte, gibt es aber immer noch viele Strände, an denen man baden und den Meerspass geniessen kann. In den 26 Wochen, in denen wir bisher in Australien waren, haben wir noch nie gebadet. Wir werden das aber sicher noch nachholen. In der jetzigen Reise war es aber noch zu kalt.

Gefährliche Tiere?!

Viele Leute beschäftigen sich vor einer Reise in ein Land mit der Gefährlichkeit von Tieren. Fast in jedem Australienreiseführer wird diesem Thema ein Kapitel gewidmet.

Ich habe einen solchen bei mir liegen. Darin steht unter dem Kapitel "Giftigster Kontinet der Welt": "...Der Kontinet kann mit 10 der giftigsten Schlangen der Welt aufwarten. Darunter die tödlichste von allen...". Neben den Schlangen sind auch Steinfisch, Oktopus, bestimmte Meeresschnecken, Spinnen und Skorpion genannt.

Dass es Todesfälle mit Beteiligung dieser und der bereits vorher genannten Tiere gibt, sieht man aus den Statistiken. Mann sollte dies also nicht ausser Acht lassen, aber auch nicht gleich in Panik geraten und deswegen Australien von den Reiseplänen streichen.

Aus unseren Erfahrungen kann ich folgendes erzählen. Grundsätzlich bin ich kein Fan von Schlangen. Diese Dinger sind mir einfach zu unberechenbar. Ich weiss auch nie, ob diese Dinger gefärlich sind oder nicht. Deshab begegne ich ihnen mit entsprechender Vorsicht. Bisher haben wir aber nur sehr wenige dieser Spezies auch wirklich gesehen. Einmal haben wir (1997) im Norden eine ca. 2m lange Schlange auf dem Highway photographiert. Gestern habe ich die zweite Lebende auf einem Fusspfad angetroffen. Leider war sie so schnell verschwunden, dass ich sie nicht photograpieren konnte. Es war eine kleine (ca. 30cm lange) Schlange. Vielleicht wars auch nur eine Natter, die sich den sandigen Pfad als Sonnenplatz gesucht hat. Einige weitere haben wir auf den Highways gesehen. Diese waren aber allesamt bereits überfahren. Mehr haben wir bis jetzt nicht gesehen. Photographiern möchte ich aber schon noch eine!

Mit den Spinnen sieht es nicht viel anders aus. Einmal habe ich eine Red-Back Spider mit den Fingern zum Verschwinden gebracht. Damals wusste ich nicht, dass so kleine Spinnen (ca. 1cm) gefährlich sind. Einmal hab ich so ein riesiges Ding auf dem WC photographiert. Was das aber für eine war, weiss ich bis heute nicht.

Trotzdem schlafen wir weiterhin im Zelt und lassen uns wegen der unangenehmen Artgenossen keine grauen Haare wachsen - die kommen bekanntlich von alleine ;-) .

Die Ostküste Tasmaniens

Wir verlassen Port Arthur und ziehen weiter nordwärts der Ostküste entlang.

Erst in der Gegend des Freycinet NP wird das Wetter wieder viel besser. Der Park ist fast nur zu Fuss zu erkunden. Wir beschränken uns auf ein paar kurze Pfade zu wunderschönen Stränden mit feinstem Sand. Das Wasser ist zu kalt und zum Schwimmen haben wir heute keine Lust. Die Lufttemperatur ist nun doch bei ca. 26 Grad.




Über der Great Oyster Bay bildet sich am Abend des 28. März ein wunderschöner Sonnenuntergang, wie wir ihn auch hier in Australien noch nie erlebt haben. Die Sonne ist vor dem Untergang knallrot. Danach färben sich alle umliegenden Wolken unten mit einem Blutrot, so dunkel, wie es bei uns nicht zu sehen ist. Da bleibt einem nur noch Zeit zum Staunen!

Am zweitletzten Tag unserer Tasmanienumrundung machen wir in St. Helens halt. Auf einem Landarm besteige ich eine Sanddüne. Es ist einzigartig, was so viele kleine Sandkörner und der Wind erzeuen können...

Die ganze Ostküste Tasmaniens wird als Feriendomizil der Tasmanier angesehen. Aber von überfüllten Stränden und Hotelkomplexen war nichts zu sehen. Alle Orte an der Küsten haben ihren Charme beibehalten.

Auf dem Weg Richtung Devonport schauen wir uns 2 Wasserfälle an. Die Fälle sind nicht sonderlich spektakulär. Aber auf den Tracks dorthin durchwandern wir wunderschöne Regenwälder, die es in sich haben. Für mich zum Photographieren etwas vom Schönsten! Ich könnte stundenlang in diesen Gebieten verweilen...

Heute, am Ostersamstag, geht es nun von Devonport mit der Fähre zurück aufs Festland. Diesmal fahren wir mit der "Spirit of Tasmania". Die Ueberfahrt dauert nun nicht mehr nur sechseinhalb Stunden, sondern 14 1/2. Die Fähre ist um einiges grösser, aber eben auch langsamer. Pascal hat einen Heidenspass an der Seemannskombuse. Er steigt immer wieder auf die Koje rauf und runter. Auch auf Deck unterhält er die Passagiere prächtig.

Diese Zeilen mögen etwas schwankend erscheinen. Dies deshalb, weil es auf hoher See getippt wurde... ;-)

Ausblick

An Ostern werden wir nochmals zurück in den Wilsons Promotory NP gehen. Anschliessend werden wir einen kurzen Besuch in Torquay machen. Da befinden sich die beliebten Surfstrände Melbournes und die entsprechenden Surfshops! Danach werden wir unsere Reise Richtung Norden ins Outback fortsetzen. "Bulldust" und "Wellblech" sind garantiert. Was das ist und bedeutet, erfährst Du, wenn es in Deiner Mailbox heisst ... "Downunderletter #3"!



See you...the next letter is coming soon.

Technische Daten

Standort: Strahan (TAS)
Tage: 27/90
Flugstrecke: Zürich - Singapore - Sydney
Flugdistanz: ca. 16'000km
Flugzeit: 18h 30'
Fähren Anzahl: 5
  Melbourne-Gorgetown: ca. 250 km
  Pieman River ca. 250m
  Bruny Island ca. 3km (2mal)
  Devonport-Melbourne ca. 250 km
Strassenkilometer: ca. 4'000km
Verbrauch Diesel: ca. 410 Liter
Gas (Kochen/Licht): 1 Flasche à 5 Liter

Reiseroute