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GO WEST

Wir sind also immer noch in Yulara (Ayers Rock) und haben noch einige Vorbereitungen zu treffen.
Wer sich einmal die Karte von Australien genauer anschaut, der sieht, dass es rund vier Varianten gibt, um nach Western Australia zu gelangen. Die meisten wählen die Südroute (duch die Nullarbor Plain) oder reisen durch die Kimberleys im Norden. Beiden Strecken sind wir bereits einmal gefahren und sind im Moment nicht von Interesse. Die 3. Variante führt über den Tanamai Track. Da dieser in die Tropen führt und es da im Moment zu feucht und zyklonanfällig ist, bleibt also nur noch die Variante "durch die Wüste". Dies ist von hier auch der kürzeste Weg in den Westen. Die Strecke heisst "Great Central Road" und führt nach Laverton (ca. 300km nördlich von Kalgoorlie).
Die Strecke ist ca. 1200km lang. Sie ist nicht geteert und relativ abgelegen von der Zivilisation (zur Erinnerung: Alice Spings liegt bereits 300km von Yulara und ist die nächste "weisse" Ortschaft von Yulara). Die Tankmöglichkeiten sind beschränkt und bei Regenfällen mit Überflutung wird die Strecke ganz oder teilweise geschlossen. Im weiteren führt der Streckenverlauf durch Gebiete der Aboriginals. Und dazu braucht man ein Permit.



Da all unsere Vorbereitungen zu diesen Permits nicht zum gewünschten Erfolg führten, machen wir uns nun auf den Weg zur Policestation. Hier empfängt uns ein freundlicher Herr. Wir schildern ihm unser Anliegen wegen den Permits und dass wir morgen in den Westen fahren wollen. Er erklärt uns, dass dies eine sehr schöne Strecke ist und viele Westaustralier diesen Weg wählen. Der Track sei auf NT Seite vor 2 Monaten planiert (mit dem Grader) worden. Er meint noch, dass zur Zeit nicht viele diese Strecke fahren. Dies bestätigen uns auch 2 Holländer, die wir auf dem Campground treffen - sie sind gestern von dieser Strecke nach Yulara gekommen.
Auf unsere brennende Frage nach den Permits verweist er ans Visitors Center. Und es brauche 2 Permits, eines für NT, das andere für WA. Er erwähnt noch, dass wir uns mit dem Permit den Eintritt zum Ayers Rock ersparen (immerhin $ 25 pro Person). Doch zwischen den Zeilen spüren wir heraus, dass das mit den Permits wohl so ne Sache ist...
Beim Visitors Center gibt man uns die Papiere, die wir schon im Internet gefunden haben. Wir füllen sie aus und sagen, dass wir diese bis morgen brauchen. Mehr oder weniger missmutig faxt die Dame beide Permits an die entsprechenden Stellen. Die Permits sind nur 3 Tage gültig. Schaffen wir diese Strecke überhaupt in dieser Zeit? Was ist, wenn wir eine Panne haben und die Dauer überschritten wird? Nun, wir sind mal gespannt...
Am Abend haben wir einen weissen Fax in der Hand. Man erklärt uns, dass dies das Permit für die NT Seite ist. Ehrlich gesagt, kann ich da nichts drauf lesen. Links und rechts sind eine Tabelle und ein paar Buchstaben drauf. Ich kann etwas wie ...SCHIROB... erkennen! Richtig! Das sollte wohl "Schwab" heissen. Nun ja. Das andere Permit ist nicht gekommen.
Am nächsten Morgen fragen wir nochmals nach. Das Permit ist immer noch nicht da. Wir entschliessen uns, trotzdem zu fahren...

GCR - Great Central Road

Fünf Jahre ist es her, seit wir bei den Olgas (Kata Tjuta) standen und auf den Sonnenuntergang warteten. Schon damals sah ich nur diese Tafel...



...sie ist mir bis heute nicht aus dem Kopf gegangen. Ich habe mir damals geschworen - da werde ich einmal in meinem Leben durchfahren. Ich hatte keine Ahnung, was es braucht und wie es sein wird. Auch war im Vorfeld im Internet nur wenig über die Route zu finden. Von früher wusste ich noch, dass hier der Gunbarell Highway durch geht. Heute weiss ich, dass dieser oft mit der GCR verwechselt wird und kaum mehr befahren werden darf.

Nun ist es also soweit: 160 Liter Diesel, 40 Liter Wasser, 2 Reserve Räder, 1 Notsignalsender, Highjack, Essen und Getränke liegen im Toyota Landcruiser (Troopy) bereit.
An der Kontrollstelle des Nationalparks schaut die Dame den ominösen Fax kurz an. "Wir fahren nach WA!" sage ich kurz. Die Dame schaut etwas verdutzt auf den Fax. "Den habe ich beim Visitors Center erhalten", sage ich weiter. "Haben Sie Pflanzen oder Obst dabei?" fragt Sie. "Nein", antworte ich. "Halten Sie im NP an?". Ich verneine wieder. Sie lässt uns ohne Bezahlung passieren. Wie glatt das doch lief. ;-)

1. Etappe

Der erste Teil der Strecke beginnt mit einer tiefroten Sandpiste. Diese ist aber meistens hart gepresst. Auf den ersten 50km kommen uns schon 3 Fahrzeuge entgegen. Rushhour? Nö, das sind dann für die nächsten Stunden auch die letzten. Es geht weiter mit sandigen Passagen.
Die Landschaft fasziniert vom ersten Meter. Mal karge, mal üppige Landstriche und rote Erde mit Spinifex durchsetzt.



Trotz der 80km/h sehen wir viele Tiere. Meist werden sie allerdings durch unser Motorengeräusch verscheucht. Schlangen sehen wir leider keine. Da müssten wir schon zu Fuss in den Bush. Dies ist aber auf Aboriginal Land verboten. Also begnügen wir uns mit dem, was wir am Weg sehen. Eine Echse (Lizard) liegt leider wieder verendet auf der Wegstrecke.



Wir kommen gut voran. Bald erreichen wir Docker River - die letzte Aboriginal Gemeinde vor der Grenze zu WA. Nun wird der Track etwas ruppiger. Steinige Partien bilden das Strasse. Auch die Vegetation ist hier anders. Vermehrt sind Bäume zu sehen. Ein herrlicher ghost gum tree steht am Wegesrand und lädt zum Photographieren ein.



Zu unserem ersten geplanten Halt zum Übernachten sind es noch gut 50km - Warakurna. Plötzlich schlittert das Hinterteil des Landcruisers. Leider hat der hintere rechte Reifen einen Holzkeil eingefahren. Eigentlich erstaunlich, dass nicht ein scharfkantiger Stein die Ursache war.



Nun heisst es, bei über 40 Grad das Rad zu wechseln. Eine wahrlich schweisstreibende Angelegenheit.
Wir erreichen das Roadhouse Warakurna ohne weiteren Schaden, dafür mit der Sicht auf eine Kamelherde.



Wir sind wieder einmal die einzigen, die hier und heute übernachten. Die Nacht gestaltet sich recht abenteuerlich. Wolken zeigen ein herannahendes Gewitter an. Plötzlich ist es windstill und absolut kein Geräusch ist zu hören. Der Himmel ist sternenklar, als mir die Augen vor Müdigkeit zufallen. Um Mitternacht beginnt ein starker, aber sehr warmer Wind zu blasen. Erste Regentropfen fallen. Der Wind wird stärker. Doch nach 15 min. ist alles vorüber. Ein richtig schönes Wüstengewitter.



2. Etappe

Nach dem Tagesanbruch beginnt die Temperatur wieder bis über 40 Grad zu steigen.
Den defekten Reifen können wir nicht flicken, und einen neuen gibts auch nicht. Wir hoffen also auf unseren zweiten Ersatzreifen, und dass nichts mehr passiert. Heute ist geplant, bis mindestens Warburton (236km Gravelroad) zu fahren. Sollten wir aber gut vorankommen, schaffen wir es vielleicht bis Tjukajirla. Dies sind weitere 260 km Schotterpiste.
Wieder treffen wir auf eine wilde Kamelherde.



Die Strecke führt wieder durch einige sehr schöne rote Dünen. Beim genauen Hinsehen sind auch diverse Spuren im Sand zu erkennen. Hier eine eines Lizards.



Der Weg führt weiter durch roten Sand. Die heissen Temperaturen im Sommer trocknen das Land ziemlich aus. Im Moment ist es noch recht grün. Dies hat damit zu tun, dass im Januar einige Regenfälle im "roten Zentrum" Australiens zu verzeichnen waren. Alle 10 Jahre gibt es aber grössere Buschbrände, die das Land heimsuchen. Dies ist aber nicht aussergewöhnlich, sondern gehört hier zum Rhythmus der Natur. Die Vegetation sowie die Tiere haben gelernt, damit umzugehen. Die dabei entstehende Asche dient den neuen Pflanzen als Nährboden.



Die Zeichen der Zeit sind auch hier zu sehen. Entlang der ganzen "Great Central Road" sind immer wieder Auto Wracks zu sehen. Die noch brauchbaren Teile werden demontiert, der Rest liegen gelassen. Schade für eine so schöne Gegend...



Wir treffen gegen Mittag in Warburton ein. Es herrscht reger Betrieb. Da es sich hier um eine Aboriginal Community handelt, darf nicht photographiert werden. Wir respektieren dies.
Die Tanksäulen sind mit schwerem Gitter eingezäunt. Nicht gerade ein ermutigender Anblick...





Das Roudhouse Tjukajirla steht neben einer Landepiste der RFDS (Royal Flying Doctor Service) - dem legendären Hilfsdienst im Outback. Klar, dass wir hier alleine campieren...wahrscheinlich ist es den meisten Leuten zu heiss... Am Abend verlassen uns die vielen Fliegen. An ihre Stelle treten nun die Ameisen. Auch diese können lästig sein...

3. Etappe

Riesige Vogelschwärme machen sich im frühen Morgengrauen lautstark bemerkbar. Hunderte von Ghalas kreisen seit dem Sonnenaufgang in der Gegend herum.



Die Männchen haben aufgestellte Federn auf dem Kopf. So sind sie leicht von den Weibchen zu unterscheiden. Zwischendurch fliegen alle Vögel von einem Baum zum nächsten. Mich haben sie immer im Visier und beobachten, was ich gerade mache. Ich stehe vielleicht vier Meter von ihnen entfernt und habe meine Kamera gut in Position gebracht, als plötzlich alle Tiere den Baum verlassen. Sekundenbruchteile später sehe ich einen Greifvogel vor meiner Linse...



Es ist ein Milan. In dieser Gegend ist er häufig anzutreffen, aber nur schwer zu photographieren.
Als er die Sache unter Kontrolle hat, fliegt er mit scharfem Blick auf mich gerichtet wieder davon.


Die Strasse ist auch weiterhin in gutem Zustand.



Die Vegetation ist immer noch üppig und die Tiere sind zahlreich. Ein Rudel Dingos (eine Art Hund im Wolfspelz) ist schneller weg, als uns lieb ist. An einer Baustelle sehe ich einen riesigen Dozer. Ich wechsle mit dem Fahrer ein paar Worte und erfahre, dass die Strassen ausserhalb der Aboriginal Gebiete besser unterhalten werden. Er ist gerade daran, mit dem Dozer eine Schneise neben der Strasse zu errichten, damit bei Hochwasser das auf der Strasse (Track) liegende Wasser schneller abfliesst. Als ich mich zum Photographieren in Position bringe, bemerke ich neben meinem linken Fuss emsiges Treiben - ein Skorpion schaufelt sich gerade ein neues Zuhause...



Ausser den Strassenarbeitern und zwei Outback-Reisenden sehen wir heute nur Fahrzeuge der Minengesellschaften. In Kürze werden hier in dieser Gegend weitere Nickel-Minen eröffnet.
Kurz nach Mittag erreichen wir die Minen Stadt Laverton. Wir fahren weiter bis Leonora. Auf der rund 100km langen Strecke (asphaltiert) reiht sich eine Mine an die andere. Mal ist es eine Goldmine, mal Nickel, dann wieder Eisenerz (Ironore).
Weiter geht unsere Reise nach Wiluna.
Wiluna ist für Outback-Freaks ein magischer Punkt. Hier beginnt einer der schwierigsten Outback-Tracks - die CSR (Canning Stock Route). Auch diese Strecke reizt mich. Aber mit den Kids und den derzeitigen Tempeaturen ist diese Strecke (4WD)nur schwer zu meistern. Zwei Biker haben sich im letzten Jahr bereits gefunden. Sie möchten diese Route bis Halls Creek (mehr als 1000km) mit den Motorräden bewältigen. Ich hab versprochen, das Begleitfahrzeug zu fahren... ;-)
Die CSR wurde als Viehtreiberstrecke errichtet und führt durch die Great Sandy Desert. Wohl die heisseste Zone Australiens...

Unser nördlichstes Ziel ist Tom Price. Dort befindet sich eine grosse Eisenmine (HIO - Hamersley Iron Ore). Bis dorthin sind es aber noch über 500km. Was da so alles passieren kann, erfahrt ihr im nächsten Newsletter... ;-)

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